Martha Neuer

Drei Jahre sp√§ter …

Die Jahrtausendwende nahte. Bj√∂rn und Alwina sa√üen auf einer Bank an der Ruhr. Die bewaldeten H√ľgel am gegen√ľberliegenden Ufer hatte der Herbst in gelb, rot und braun getaucht. Die Sonne w√§rmte noch.

‚ÄěIch glaube, wir passen einfach nicht zusammen.“ Alwina knetete ihre H√§nde, bis die Kn√∂chel wei√ü hervortraten. Sie sah Bj√∂rn nicht an, er sagte nichts. Gibt es nicht ein Kinderspiel, bei dem man die Kn√∂chel auf und ab wandert? Alwina unterbrach ihre Gedanken und schaute Bj√∂rn an. Seine Augenwinkel waren feucht.

‚ÄěGuck mal, wir streiten doch so viel! Ist es da nicht besser, sich zu trennen?“ Alwina schluckte. ‚ÄěWieso nach all den Jahren?“ Bj√∂rns Stimme klang heiser. Alwina schwieg. Was sollte sie antworten? Es f√ľhlte sich gut an, Bj√∂rns Hand zu nehmen und den alten Treidelpfad an der Ruhr entlang zu laufen. Reicht das? Ihre Freundinnen schienen so gl√ľcklich mit ihren Partnern. Gl√ľcklich war sie nicht. Aber woran lag es? Stellte sie zu hohe Anspr√ľche statt Bj√∂rn zu lassen, wie er war? Anja, die inzwischen ihre Freundin geworden war, behauptete das. Aber es f√ľhlte sich einfach nicht richtig an mit Bj√∂rn. Sie stritten sich √ľber nicht verschlossene Marmeladengl√§ser, √ľber nicht eingehaltene Versprechen, √ľber zu viele Fragen oder √ľber: Ja, wor√ľber eigentlich?

Auf der gegen√ľberliegenden Halbinsel landeten zwei Kormorane. Einer spreizte sein Gefieder. Was sollte sie Bj√∂rn denn sagen: Du bist mir in all der Zeit fremd geblieben? Wie h√§tte sie ihm erkl√§ren sollen, was sie selbst nicht verstand? ‚ÄěIch m√∂chte das nicht.“ Bj√∂rns Stimme klang leise.

Alwina sp√ľrte, wie all ihre Muskeln sich anspannten. ‚ÄěIch m√∂chte es aber!“, fl√ľsterte sie. Sie atmete tief durch und erhob sich mit einem Ruck von der Bank.

Flussaufw√§rts ging sie zur Stra√üe. Lieber nicht nochmal umdrehen! Auf der Hauptstra√üe schlug sie den Weg zur Bushaltestelle ein. Sie w√ľrde nicht mit Bj√∂rn zur√ľckfahren.

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